Hashimoto Thyreoiditis

Schilddrüsenerkrankungen: mögliche Ursachen und Begleitsymptome

Die Hashimoto Thyreoiditis zählt zu den entzündlichen Schilddrüsenerkrankungen bei der es in Folge einer fehlgeleiteten Immunreaktion zu einer Infiltration von autoreaktiven T-Lymphozyten in das Schilddrüsengewebe kommt. Das Resultat ist eine chronische Entzündung mit den Symptomen einer Unter- oder Überfunktion und im Endstadium ein bindegewebiger Umbau. Insgesamt ist die Hashimoto Thyreoiditis die häufigste Autoimmunerkrankung des Menschen und die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Bei bis zu 10% der Bevölkerung lassen sich Autoantikörper gegen schilddrüsenspezifische Antigene nachweise, wobei Frauen deutlich häufiger erkranken als Männer. (1)

Symptome einer Unterfunktion

  • Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Verlangsamung
  • Kälteempfindlichkeit
  • Gewichtszunahme
  • Muskel, Sehnen- und Gelenkschmerzen
  • Verdauungsstörungen
  • Fettstoffwechselstörung, Cholesterinerhöhung
Symptome einer Überfunktion

  • Nervosität, Reizbarkeit, Beschleunigung
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Gewichtsabnahme
  • schneller Puls, Herzrasen
  • Verdauungsstörungen, Durchfall
  • Augensymptome

Die schulmedizinische Therapie besteht in der Gabe von Schilddrüsenhormonen. Damit wird eine normale Stoffwechsellage und eine Reduktion der Entzündungsaktivität in der Schilddrüse angestrebt. In der Regel kommt es dabei auch zu einem Absinken von schilddrüsenspezifischen Antikörpern. Vielen Betroffenen ist damit wieder ein weitgehend symptomfreies Leben mit normaler Lebenserwartung möglich. (1)

Da Hashimoto jedoch nicht nur eine lokale Entzündung der Schilddrüse sondern vielmehr eine systemische Erkrankung des gesamten Immunsystems ist, kann es neben den schilddrüsenspezifischen Symptomen zu einem bunten Strauss an Begleitsymptomen und Begleiterkrankungen kommen :

  • Magen-Darm-Beschwerden, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Verstärkung vorhandener Allergien
  • Probleme an den “Grenzflächen” wie z.B. Schleimhautentzündungen, Lidrandentzündungen
  • Infektanfälligkeit
  • Ängstlichkeit, Depressionen
  • Zyklusanomalien, PMS( prämenstruelles Syndrom), PCO (polycystisches Ovarsyndrom)
  • latenter Hypocortisolismus mit Symptomen wie Müdigkeit, Erschöpfung etc.
  • anderen Autoimmunerkrankungen, z.B. Vitiligo, Zöliakie, Alopecia areata

Eine biologische und ganzheitliche Betrachtung berücksichtigt daher auch die folgenden Aspekte:

  • genetische Veranlagung
  • Umwelteinflüsse
  • Das Mikrobiom
  • Mikrochimerismus
  • chronische Virusinfektionen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten, insbesondere Gluten
  • hormonelle Einflüsse
  • Stress
  • Mikronährstoffmängel

Genetik: Zur Zeit sind mehrere Gene mit Hashimoto und anderen Autoimmunthyreoitiden assoziiert. Zum einen das CTLA-4 (cytotoxic T lymphocyte associated antigen 4), das Gen PTPN22 (protein tyrosinase phosphatase 22) und die Genregion des HLA (human leukocyte antigen). Träger der HLA-Allele DR03, DR04, DR05 und DQ02 haben ein erhöhtes Risiko an Hashimoto zu erkranken. (2)

Umwelteinflüsse: Die Menschheit ist heute anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt als noch vor dreissig Jahren. Denaturierte und industriell verarbeitete Lebensmittel können Unverträglichkeiten auslösen und über die Bildung von proinflammatorischen Zytokinen Entzündungen im Körper verstärken. Gepulste elektromagnetische Felder wie Mobilfunk und W-lan sind ebenso in der Diskussion.
Das Leben in der Großstadt oder an vielbefahrenen Strassen geht mit einer erhöhten Feinstaubexposition einher.
Belastung mit Schwermetallen und andere endokrinen Disruptoren wie z.B. Bisphenol A, Weichmachern oder der Antibabypille haben Veränderungen in den hormonellen Regelkreisen des menschlichen Körpers zur Folge. (3,4,5)

Das Mikrobiom: bezeichnet die Gesamtheit der in uns wohnenden Bakterien und Mikroorganismen. Es gibt wachsnde Hinweise, das die Darmflora an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen mitbeteiligt ist. Ein durchlässiger Darm (leaky gut) kann die Folge von falscher Ernährung oder langfristigem Stress sein. Über Mikroentzündungen an der Dünndarmschleimhaut kann es zu einer erhöhten Durchlässigkeit für Nahrungsmittelbestandteile kommen, die in Folge wiederum zu Reaktionen des Immunsystems führen können. (6)

Mikrochimerismus: bezeichnet das Überleben fremder Zellen im Körper, z.B. das Überleben mütterlicher Zellen im Kind (mütterlicher Mikrochimerismus) oder umgekehrt das Überleben fetaler Zellen im Mutterleib nach der Geburt (fetaler Mikrochimerismus). Mikrochimerismus wird als Auslöser für verschiedene Autoimmunerkrankungen diskutiert. (7)

Virusinfektionen: Mehrere Studien legen einen Zusammenhang zwischen persistierenden Herpesvirusinfektionen (insbesondere HHV6 und EBV) und der Entwicklung von Schilddrüsenerkrankungen nahe. Eine fehlgeleitete Immunantwort in Folge einer Infektion kann zur Auslösung von Autoimmunreaktionen führen. (8,9,10)

Verschiedene Faktoren können ausserdem den Verlauf einer Hashimoto-Thyreoiditis beeinflussen:

Gluten: Gluten ist das Klebereiweiss von Weizen, Gerste, Dinkel und Roggen. Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Autoimmunthyreopathien (Hashimoto und Morbus Basedow) und dem gleichzeitigen Auftreten einer Glutenintoleranz. Dieser Zusammenhang ist so gut bekannt, das Forscher dazu raten, bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse grundsätzlich eine Glutenintoleranz auszuschliessen. Vermutlich gibt es strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Gliadin (der Eiweissfraktion von Gluten) und der menschlichen Schilddrüse. Bei einer Unverträglichkeit von Gluten kann es dann dazu kommen, das das Immunsystem nicht nur vermehrt Antikörper gegen das Klebereiweiss bildet sondern auch gegen die eigene Schilddrüse.
Zudem sind glutenhaltige Getreidesorten reich an ATI’s, sogenannten Amylase-Trypsin-Inhibitoren, die als natürlich vorkommende Insektizide Verdauungsenzyme hemmen können und durch eine Bindung an TLR4-Rezeptoren zu einer Aktivierung des angeborenen Immunsystems führen.
Auch Weizenlektine, (hier insbesondere das WGA = wheat germ agglutinin) werden von Getreidesorten gegen ihre Frassfeinde gebildet. Natürlich ist der Mensch selbst der grösste Frassfeind des Getreides ! Lektine sind ebenso wie Gluten schwerverdaulich und können zu einer Entzündung an der Dünndarmschleimhaut führen was wiederum die Entwicklung eines leaky gut begünstigt. (11,12,13,14)

hormonelle Einflüsse und oxidativer Stress : Vieles spricht dafür, das Hashimoto mit einer Östrogendominanz und einem Progesteronmangel einhergeht. (3)Sogenannte endokrine Disruptoren wie z.B Umweltgifte, Xenoöstrogene in Weichmachern und hormonelle Verhütung (die Pille) können zu einem relativen Überwiegen von Östrogen führen. Die Einnahme der Pille führt zu einer vermehrten Bildung von sexualhormon bindendem Globulin (shbg) und damit zu einem vermehrten Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Ein vermehrter Bedarf kann nur durch eine erhöhte Aktivität der Schilddrüse gedeckt werden was wiederum mit einer verstärkten Entzündung innerhalb der Schilddrüse einhergeht . Durch die vermehrte Bildung des Kupferspeicherproteins Coeruloplasmin wird auch der Kupferspiegel im Blut beeinflusst. Erhöhte Kupferspiegel sind wiederum mit Entzündungen assoziiert – und was passiert da nochmal in der Schilddrüse ? Auch Zink ,Vitamin B6 und Folsäurespiegel können durch die Einnahme der Pille negativ beeinflusst werden. In der Folge lassen sich häufig histaminerge Reaktionen beobachten, da Zink und Vitamin B6 limitierende Cofaktoren für die Bildung der Diaminoxidase (DAO) – eines histaminabbauenden Enzyms sind. (3,15,16,17,18)

Mikronährstoffmängel: Mehrere Studien kommen zu dem Schluss, das ein Vitamin-D-Mangel an der Entwicklung einer Hashimoto Thyreoiditis beteiligt sein kann. Der Zusammenhang zwischen Selenmangel und der Entzündungsaktivität in der Schilddrüse ist seit längerem bekannt. Eine Selensupplementation kann die Zahl der Schilddrüsenautoantikörper verringern. In einer italienischen Studie aus dem Jahr 2013 konnte nachgewiesen werden, das die kombinierte Gabe von Selen und Inositol die Schilddrüsenfunktion bei Hashimoto-Patienten mit einer subklinischen Unterfunktion wieder normalisieren konnte. Selen senkte dabei die Autoantikörper und Myo-Inositol als sogenannter „second messenger“ erböht die Sensitivität der Zielzellen für TSH. (19,20)

Behandlung

Ich habe im Verlauf der Jahre ein praxiserprobtes Behandlungskonzept entwickelt, das viele der oben genannten Aspekte berücksichtigt. Sollten Sie an einer Hashimoto Thyreoiditis oder Morbus Basedow leiden und trotz medikamentöser Behandlung keine dauerhafte Besserung erfahren, sprechen Sie mich bitte an.


Quellen

  1.  https://de.wikipedia.org/wiki/Hashimoto-Thyreoiditis
  2.  Ni J, Qiu LJ et.al.: CTLA-4 CT60 (rs3087243) polymorphism and autoimmune thyroid  diseases susceptibility: a comprehensive meta-analysis.  Ni J, Qiu LJ et.al.
  3. morbus Hashimoto – zunehmende tendenz durch umweltgifte?
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Endokrine_Disruptoren
  5. Ana Paula Santin and Tania Weber Furlanetto:Role of Estrogen in Thyroid Function and Growth
  6. Mori K., Nakagawa Y., Ozaki H.: Does the Gut Microbiota Trigger Hashimoto’s Thyreoiditis ? 
  7.  https://de.wikipedia.org/wiki/Mikrochimärismus
  8. Andrea Janegova, Pavol Janega, Boris Rychly, Kristina Kuracinova, Pavel Babal: The role of Epstein-Barr virus infection in the development of autoimmune thyroid diseases
  9. Thomas D. et.al.: Herpes virus antibodies seroprevalence in children with autoimmune thyroid disease.
  10. Elisabetta Caselli et.al.: Virologic and Immunologic Evidence Supporting an Association between HHV-6 and Hashimoto’s Thyroiditis
  11. Pekka , Jorma Salmi, Olavi Hällström, Timo Reunala and Amos Pasternack: Autoimmune thyroid disorders and coeliac disease
  12. Akçay MN, Akçay G.:  presence of the antigliadin antibodies in autoimmune thyroid diseases.
  13. Sategna-Guidetti C, Bruno M, Mazza E, Carlino A, Predebon S, Tagliabue M, Brossa C.: thyroid diseases and coeliac disease.
  14. Sharma BR et.al.:Celiac autoimmunity in autoimmune thyroid disease is highly prevalent with a questionable impact.
  15. Ruggeri RM et.al.: Stress and Advanced Glycation End Products in Hashimoto’s Thyroiditis.
  16. Mazer NA.: Interaction of estrogen therapy and thyroid hormone replacement in postmenopausal women.
  17. Chailurkit LO, Aekplakorn W, Ongphiphadhanakul B.: relationship between circulating estradiol and thyroid autoimmunity in males.
  18. Prema K, Ramalakshmi BA, Babu S.: Serum copper and zinc in hormonal contraceptive users.
  19. Giovinazzo S. et.al.: Vitamin D receptor gene polymorphisms/haplotypes and serum 25(OH)D3 levels in Hashimoto’s thyroiditis.
  20. Maurizio Nordio, Raffaella Pajalich: Combined Treatment with Myo-Inositol and Selenium Ensures Euthyroidism in Subclinical Hypothyroidism Patients with Autoimmune Thyroiditis